Die Reflexion von Sprachmedien nimmt ihren Anfang in Platons Gegenüberstellung von Stimme und Schrift. Als Philosoph des Gesprächs verurteilte Platon den geschriebenen Text als oberflächlich und meinte, dass nur das gesprochene Wort Wahrheit und kulturelle Erinnerung garantiere. Seither basiert die Medienbeobachtung auf der Gegenüberstellung von 'alten' und 'neuen' Medien und gleitet nicht selten in die Konstruktion von unvereinbaren Gegensätzen ab.
Seit den 1960er Jahren erliegen MedientheoretikerInnen immer wieder der Versuchung, die Materialität der Medien ("Körper", "Medium", "Technologie", "Hardware") ihrem Inhalt ("Kultur", "Botschaft", "Information", "Software") gegenüber zu stellen.
Das Projekt "Ästhetisches Know-how" beschreibt demgegenüber das Wechselspiel zwischen Materialität und kultureller Bedeutung als systemische Beziehung. Ziel der Studie ist es, einen Begriff von Medienkompetenz zu entwickeln, der Sinnlichkeit und Sinnproduktion systemisch integriert.
Sprachmedien definieren einen Raum potenzieller Ausdrucksformen an der Schnittstelle von Wahrnehmung und Kommunikation.
Texte bzw. "Sprachformen" sind sowohl Laut- und Schriftbilder als auch komplexe Sinnangebote. Zeitgenössische KünstlerInnen beobachten Sprache als Wahrnehmungsform und zeigen durch die ästhetische Gestaltung von Texten die sinnliche und intellektuelle Doppelexistenz von Sprachformen auf.
Jede Sprachform zeugt von Sinn stiftenden Unterscheidungen, die im Körper, in der Wahrnehmung, im Denken und in der Kommunikation vollzogen werden. Das systemische Medienmodell der Sprache liegt an der Schnittstelle von Natur- und Kulturwissenschaft und wird in der vorliegenden Studie durch Forschungsergebnisse aus der Kognitionswissenschaft und der Medienästhetik empirisch konkretisiert.
"Ästhetisches Know-how" bedeutet, zu wissen, wie man die Stimme, die Schrift und ihre technischen Aufzeichnungen in komplexen Medienumwelten für die Kommunikation einsetzt. Es bedeutet auch, dieses Wissen zu reflektieren und die Gegenüberstellung von Stimme und Schrift oder von Körper und Technologie in Frage zu stellen.